Bauen an der Michelangelostraße

Seit etwa 2 Jahren ist bekannt, dass sowohl Senat als auch Bezirksamt Pankow die Bebauung verdichten wollen.
Grund dafür ist, dass Berlin neue Wohnungen braucht um Wohnraum für Zugezogene zu schaffen. 40.000 bis 50.000 Menschen sind in den letzten Jahren jährlich nach Berlin gekommen, dabei sind Flüchtlinge noch nicht berücksichtigt worden.

Die Frage WARUM jemand nach Berlin zieht, ist müßig, wir schauen vorrangig auf die Tatsache, dass Berlins Einwohnerzahl wächst. Für die Stadtplaner bedeutet es, dass Wohnraum geschaffen werden muss, nicht nur an der Stadtperipherie, sondern auch auf allen vorhandenen Freiflächen in der Innenstadt.
Ebenso klar ist auch, dass die Anwohner der geplanten Neubauflächen dieses mit wenig Begeisterung sehen, in den meisten Fällen versuchen dies zu verhindern.Schauen wir uns dazu die Bebauungspläne an, ein Architektenentwurf sieht 1500 Wohnungen an der Michelangelostr. vor, südlich vom S-Bahnhof Greifswalder Str., am alten Güterbahnhof, sollen weitere 400 – 600 Wohnungen entstehen und nordöstlich im Komponistenviertel werden hochpreisige Miet- und Eigentumswohnungen gebaut.

Zumindest an der Michelangelostr. sind diese Pläne bisher nicht wirklich durchdacht (die anderen Bauvorhaben werden von privaten Investoren durchgeführt), eine Fernwärmeleitung, die nicht überbaut werden sollte, ist in den Entwürfen überbaut worden, Grundstücke der Genossenschaft Zentrum sind in die Bauplanung einbezogen, obwohl die Genossenschaft bisher keine Bereitschaft zeigte ihre Grundstücke dafür herzugeben, die beschlossene Straßenbahntrasse in der Michelangelostr. (BVV Pankow, Beschluss) ist nicht berücksichtigt worden.

Weiterhin bleibt zu prüfen, ob die geplante Neubebauung allen Vorgaben der Baugesetzgebung entspricht, also z.B. die GFZ (Geschoßflächenzahl) von 1,0 eingehalten wird und die Abstände von bestehender Bebauung dem Verhältnis von 0,4 entsprechen.
Kurze Erklärung gefällig?

Die Geschoßfläche entspricht der Summe aller umbauten Geschosse ohne Keller und Dachgeschoss. Wenn also der umbaute Raum einer Etage mit drei Wohnungen 150 m² entspricht und das Haus 11 Etagen hat, ist die Geschoßfläche 1650 m². Das gesamte Grundstück, auf dem das Gebäude steht muss bei einer GFZ von 1,0 ebenfalls 1650 m² groß sein.
Man kann die GFZ auch für ein gesamtes Viertel vorgeben, so dass zwischen den einzelnen Wohnhäusern dann große Frei- oder Grünflächen verbleiben müssen.
Ansonsten muss die GFZ nicht immer 1,0 sein, auch 0,5 – 0,8 sind durchaus in einigen Gebieten üblich, in der Gründerzeit wurde mit einer GFZ von 4,0 erheblich dichter gebaut (typische Hinterhöfe bei Altbauten).

Nun zum Gebäudeabstand, der Wert 0,4 besagt, dass der Abstand zum Nachbargebäude 40% der Höhe des Gebäudes entsprechen muss, bei einem 11-geschossigen Mehrfamilienhaus mit 30 Metern Höhe muss der Abstand zum Nachbargebäude also mindestens 12 Meter (0,4 X 30) betragen.

Noch Fragen?

Ach ja, natürlich schauen wir auch ein wenig über die Grenzen des Viertels hinaus, der Stadtentwicklungsplan Wohnen reicht bis 2025 und umfasst auf 119 Seiten die Pläne des Senats für diese Stadt.
Dazu gehört dann ein StEP Verkehr, der die Verkehrsinfrastruktur regeln soll, und auch die Vorgabe für Grünflächen besagt bisher, dass jedem Einwohner 13 m² Grünfläche zustehen.
Natürlich nicht als persönlicher Garten oder direkt in der Nähe seiner Wohnung, sondern auf das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet. Bei 3,6 Mill. Einwohnern also 46,8 Mill. m² oder 4680 ha (Hektar). Das entspricht 5,2% der Stadtfläche (ca. 900 km²).

Aber nun wieder weg von den Zahlenspielereien, bei allen Bauvorhaben – und uns interessiert vorrangig die Michelangelostr. – gibt es genug gesetzliche Vorgaben, die man überprüfen kann und sollte, da sie oft von den Architekten und Bauherren nicht eingehalten werden.

Wir behalten die Planung im Auge und werden uns noch öfter – wie schon in der Vergangenheit – damit beschäftigen.

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